Gesprächskonzert Da kam selbst Maria Callas ins Staunen

Die Freunde der Kölner Oper hatten zum dritten Mal zu einem Gesprächskonzert mit einem verdienten Ensemblemitglied der Kölner Oper eingeladen. Im Gespräch mit der Dramaturgin Svenja Gottsmann und am Klavier einfühlsam begleitet von Rainer Mühlbach, dem Leiter des Internationalen Opernstudios der Oper Köln, präsentierte sich mit der Mezzosopranistin Adriana Bastidas-Gamboa ein ausgesprochener Opernliebling des Kölner Publikums dem Freundeskreis. Als solche wurde sie auch von dem Vorsitzenden der Freunde der Kölner Oper bezeichnet und wegen ihrer glanzvollen Darbietungen als Carmen in Bizets gleichnamiger Oper, als Angelina in Rossinis Oper „La Cenerentola“ oder als Erda in Wagners „Rheingold“ mit großem Lob bedacht.

Die kolumbianische Mezzosopranistin, die 2012 von den Freunden der Kölner Oper mit dem Offenbachpreis ausgezeichnet wurde, überrasche, so der Vorsitzende, aber auch mit Ausflügen ins hochdramatische Sopranfach. So geschehen bei einem Hauskonzert, wo sie die Arie der Tosca „Vissi d‘ arte“ mit Bravour zum Besten gab. Hein Mulders, Intendant der Kölner Oper, meinte denn auch, dass es auf der Welt keine zweite Sängerin gäbe, die an einem Abend im Mezzosopranfach die halsbrecherischen Koloraturen der Angelina singen könne und am nächsten Abend als Tosca in einer hochdramatischen Sopranpartie begeistere.

Das Singen, so Adriana Bastidas-Gamboa auf die Fragen von Svenja Gottsmann, sei ihr in die Wiege gelegt worden. Alle Familienmitglieder hätten musiziert und gesungen – wenn auch keine Opernmusik – , sie selbst sei im Kinderchor ihrer kolumbianischen Heimatstadt Cali entdeckt worden, habe dann das Gesangsstudium am Konservatorium ihrer Heimatstadt  aufgenommen und dann mit Hilfe einer großzügigen Sponsorin den Sprung nach Europa gewagt, habe ein Aufbaustudium an der Kölner Musikhochschule absolviert, Tag und Nacht Deutsch gebüffelt und sei 2007 ins Internationale Opernstudio der Oper Köln eingetreten. Schon 2008 sei sie ins Ensemble der Kölner Oper übernommen worden, in dem sie sich sehr wohl fühle. Die Arbeit mit den Kolleginnen und Kollegen gebe ihr Sicherheit und bereite ihr große Freude. Sie betrachte es als ein großes Glück, als festes Ensemblemitglied ihre Leidenschaft als Sängerin und ihre Aufgaben als Mutter vereinbaren zu können.

Die Fragen aus dem Publikum beantwortete die ungemein sympathische Sängerin temperamentvoll und mit großem Charme. Nein, einen Stimmwechsel plane sie nicht, sie werde allerdings in der neuen Spielzeit in einer Verdioper den Sprung ins hochdramatische Sopranfach wagen. Nein, der langen Zeit im Interim des Staatenhauses weine sie nicht nach. Sie freue sich auf das Haus am Offenbachplatz mit einer exzellenten Akustik und Räumlichkeiten für die Sänger, die Rückzug und Konzentration ermöglichten.

Wie facettenreich Adriana Bastidas-Gamboa ihrer Gesangskunst nachgeht, konnten die Besucher sodann bei den musikalischen Darbietungen bei diesem wunderbaren  Gesprächskonzert erleben. Das Lied „La rosa y el sauce (Die Rose und die Weide“) des argentinischen Komponisten Carlos Guastavino, die berühmte Arie „Intorno all’idol mio“ aus der Oper „Orontea“ (1656) von Marco Antonio Cesti, Klage und Liebeserklärung in einem, und zum Schluss als absoluter Höhepunkt die Arie „Casta diva“ aus Bellinis Oper Norma rissen die Besucher zu Beifallsstürmen hin. So schön in der Phrasierung, so glutvoll und verinnerlicht zugleich hat man die Arie, die jeder Opernfreund unwillkürlich mit der legendären Maria Callas verbindet, schon lange nicht mehr gehört. Die große Primadonna wird der wunderbaren Adriana Bastidas-Gamboa bestimmt zugehört und ihr ihre Anerkennung nicht verwehrt haben. Das begeisterte Publikum im Staatenhaus spendete jedenfalls allen Beteiligten, der Dramaturgin Svenja Gottsmann, Rainer Mühlbach am Klavier und vor allem natürlich der Hauptperson dieses Abends begeisterten Beifall.