Zerwürfnis zwischen der Intendantin und dem GMD

Leserbrief von Dr. Arnd D. Kumerloeve, Mitglied des Vorstands der Opernfreunde,  an den Kölner Stadtanzeiger vom 17.4.2018

Sehr geehrter Herr Chefredakteur,

zum Beitrag von Markus Schwering über die Kontroverse zwischen der Intendantin und dem GMD: „Fairness“ ist ein Begriff, der momentan oft über den großen Teich tönt, der aber im vorliegenden Fall ebenfalls angebracht wäre. Da lobt ein brillanter Journalist für Kultur und Geistesgeschichte einen brillanten Kapellmeister, der mit seiner „Crew“ von Musikern (oder als Gast mit anderen) arbeitet und dies mit großartigen, weltweit gewürdigten Ergebnissen. Das ist alles richtig und als Kölner kann man sich freuen und es ist gut so.

Oper ist aber sehr viel mehr. Oper ist Musik-THEATER und schon als Mitglied einer Schülertheater-AG kann man erleben, welche zahllosen Probleme der unterschiedlichsten Anforderungen berücksichtigt werden müssen, um ein Stück „auf die Bühne zu stellen“. Es drängt sich der Eindruck auf, dass hier nicht annähernd und fairerweise gewürdigt wurde, unter welchen  – verglichen mit der Normalität – schwierigen Bedingungen (die die Stadt zu verantworten hat!) beachtliche Aufführungen geboten werden. Schwering hat das oft in seinen Kritiken gelobt – noch zuletzt bei Rossini vor wenigen Tagen – hat aber nun offenbar die Inhalte seines Interviews mit der Intendantin vom September 2017 total ausgeblendet. Wenn man sich dann noch die relativ geringe Zahl von Mitarbeitern bei der Opernintendanz vor Augen hält, kann man eigentlich über das Geleistete nur staunen. Staunen kann man auch, wenn sich zwei Spitzenkräfte der Kölner Kulturpolitik, wenn sich also Dr. Meyer und François-Xavier Roth zur Koordination in Paris treffen müssen. Und – bei allem Respekt – von einer einem GMD gebührenden Präsenz in „seinem“ Opernhaus kann man ja nun wirklich nicht sprechen.

Und dann beklagt Ralph Elster von der CDU die Auslastung. Als ob ihm als Kulturpolitiker nicht bewusst wäre, wie schwierig die Balance zwischen populären Aufführungen und kulturellen Ansprüchen/Innovationen ist. Spielt man die Renner von Bohème über Carmen bis Traviata vor vollen Häusern rauf und runter, wird über kulturellen Stillstand geklagt, bemüht man sich um zeitgemäße Musikinterpretationen und Ausdrucksformen (z.B. Udo Zimmermanns Oper „Weiße Rose“), mäkelt man über einen geringeren Zuschauerzuspruch. Auch hier vermisse ich Fairness. Und hat schon mal jemand die Kinderoper (die Älteste in Europa mit großem Renommee!) erwähnt und gewürdigt? Immer ausverkauft! Kann man überhaupt ermessen, was hier mit Blick auf künftige Generationen geleistet wird – im Sinne des Anspruchs einer Kulturnation?

Mit freundlichen Grüßen

Kumerloeve

Das Schreiben wurde vor der Veröffentlichung von der Redaktion des KStA etwas gekürzt