Gespräch mit Markus Schwering vom Kölner Stadtanzeiger

„Gute Arbeit ohne Schulden“

Die Kölner Opernfreunde sehen das Haus auf Erfolgskurs und loben die Intendantin

VON MARKUS SCHWERING

Kölner Stadtanzeiger, 11. Juli 2016

Am gestrigen Sonntag richteten die Freunde der Kölner Oper ihr traditionelles „Fest der schönen Stimmen“ aus. Während das früher eine Sängergala außerhalb des regulären Spielplans war, fiel es diesmal mit dem Saisonschluss des Kölner Hauses zusammen: Die mit Gesangsstars wie Adina Aaron, Dmytro Popov und Dimitri Platanias gespickte „Tosca“-Aufführung im Staatenhaus (Besprechung folgt in der Dienstag-Ausgabe) war zugleich das Stimmen-Fest anno 2016.

Die Vorsitzenden der Opernfreunde: Heinrich Kemper (li) und Norbert Pabelick; Foto: Rake/ARD

Die Vorsitzenden der Opernfreunde: Heinrich Kemper (li) und Norbert Pabelick; Foto: Rake/ARD

Man werde aber, so beteuert Opernfreunde-Vorsitzender Heinrich Kemper im Gespräch mit dem „Kölner Stadtanzeiger“, bereits in der kommenden Saison zum hergebrachten Modus zurückkehren: „Es war angesichts der Interimssituation der Oper aktuell nicht möglich, einen geeigneten Raum zu finden.“ Die Tatsache, dass die Wiedereröffnung des sanierten Riphahn-Baus am Offenbachplatz auf unbestimmte Zeit verschoben ist – selbst der anvisierte Termin 2019 ist dem Vernehmen nach ungewiss -, beeinträchtigt also nicht nur die Kölner Oper als solche, sondern auch die Freunde-Aktivitäten, zu denen neben dem Stimmen-Fest vor allem die Förderung junger Sänger im Opernstudio sowie der Kinderoper gehört. Trotzdem ist man nicht unzufrieden: Angesichts der obwaltenden Umstände macht, sagt Kemper, die Oper dank ihres hochengagierten Teams eine sehr gute Arbeit“. Und das Staatenhaus, das in Sachen Erreichbarkeit, Akustik und Orchesterplatzierung unbestritten viele Wünsche offen lässt? Kemper: „Alles deutlich besser als die erwogenen Alternativen, etwa die MMC-Studios in Ossendorf.“

Auch für Kempers Stellvertreter Norbert Pabelick neigt sich die Waagschale tief zugunsten des Staatenhauses: „Sie haben da drei ständig zur Verfügung stehende Spielstätten, was einen flexiblen Spielbetrieb einschließlich Kinderoper erlaubt. Und nicht von ungefähr waren sämtliche Entscheidungsträger – Gürzenich-Orchester, GMD, Intendantin – für diesen Standort.“ Auch die Mitarbeiter seien mit der Wahl zufrieden.

Trauern die Freunde dem Blauen Zelt nach? Kemper jedenfalls tut es nicht: „Das war vom Ambiente wie von den Bühnenverhältnissen her nicht für die Oper geeignet.“ Und wie schätzt man die Publikumsreaktion auf den Staatenhaus-Betrieb ein? „Sehr positiv“, sagt Pabelick, was man an der Auslastung von rund 84 Prozent in dieser Saison sehen könne. Nun haben andere Opernbühnen eine noch bessere Quote, aber in Köln arbeite man, so das Gegenargument, eben auch unter extrem erschwerten Bedingungen: „Es gab so gut wie keinen zeitlichen Vorlauf beim Vorverkauf und bis auf die Premieren keine Abos.“ Hätte die jetzt zu Ende gehende Spielzeit am Offenbachplatz stattgefunden, „hätten wir“ – da sind sich Kemper und Pabelick sicher – „eine Auslastung von deutlich über 90 Prozent.“

Auslastungsprobleme habe es, das räumen beide ein, teils bei den konzertanten Aufführungen gegeben, etwa beim „Fliegenden Holländer“, den man aber angesichts der Raumverhältnisse im Staatenhaus nicht szenisch habe machen können. Weshalb die Überlegung der Oper nachvollziehbar sei, künftig auf konzertante zugunsten wenigstens halbszenischer Produktionen zu verzichten. Pabelick berichtet weiterhin von der guten internationalen Akzeptanz der Kölner Oper trotz der beschwerlichen Interimssituation: „Das Haus hat Angebote zu Co-Produktionen von Covent Garden, aus Madrid, von der Bastille-Oper und von den Festspielen in Aix-en-Provence.“ Das Verdienst dafür rechnen die Opernfreunde ganz wesentlich Intendantin Birgit Meyer und ihrer „hervorragenden Arbeit“ zu.

Sicher habe es zu Beginn ihrer Amtszeit „kritische Stimmen“ gegeben, aber „heute muss man den Hut ziehen“. Auch jüngst bekannt gewordenen Klagen über ein angeblich schlechtes Betriebsklima will Kemper sich nicht anschließen: „Ich weiß als Unternehmer, dass es in einem großen Betrieb immer Leute gibt, die mit der Leitung nicht zurechtkommen.“ Jedenfalls können die Freunde auch über Meyers Zusammenarbeit mit ihnen „nur Gutes berichten“. Merkt man dem Spielplan an, dass Meyer – anders als ihr Vorgänger Uwe-Eric Laufenberg – nicht mehr aus dem Vollen schöpfen kann? „Das Haus leidet“, so Kemper, „unter den finanzieller Restriktionen.“ Weltstars könne man nicht einladen, und auch an der Ausstattung müsse man wohl sparen. Die Übergangszeit könne man „so fahren“, aber im sanierten Haus müsse die Oper besser gestellt werden: „Dann hat man da einen Ferrari stehen, aber kein Geld mehr fürs Benzin.“

Indes seien derzeit am Ort sehr präsente Künstler wie Atalla Aya (er kommt in der Saison 2017/18 für „Manon Lescaut“), Bo Skovhus, Johan Botha (Anmerkung: kürzlich verstorben), Olesya Golovneva ebenfalls „erste Klasse“. Und weil die gerne nach Köln kämen, gelänge es Meyer auch, „günstige Konditionen“ auszuhandeln und solchermaßen ihr Budget einzuhalten, „ohne einen einzigen Euro Schulden zu machen“. Die Produktion von Brittens „Rape of Lucretia“ habe, merkt Pabelick an, dank der ausschließlichen Besetzung mit Opernstudio-Mitgliedern – „kaum zu glauben“ – lediglich 14 000 Euro gekostet. Auf Zustimmung der Freunde stößt auch Meyers stark der Moderne verpflichteter Spielplan: „Er zeugt“, sagt Kemper, „vom Mut zu dem Risiko, auch mal danebenzuliegen.“ Indes spreche auch hier die Akzeptanz des Publikums für die Linie der Intendanz.

So blicken die Freunde der Kölner Oper trotz aller Probleme am Ende doch hoffnungsfroh in die Zukunft: „Wenn Opernteam und Publikum weiterhin so gut mitziehen, werden wir diese Durststrecke ohne Blessuren überstehen.“

Die „Freunde der Kölner Oper“

Der Verein „Freunde der Kölner Oper“ in seiner derzeitigen Gestalt wurde 1962 gegründet. Vorrangiges Vereinsziel ist die ideelle und finanzielle Förderung junger Sänger im Kölner Opernstudio und – im Zusammenhang damit – der Kinderoper. Seit 2005 vergeben die Opernfreunde den Offenbach-Preis an besonders verdiente Ensemblemitglieder. Einmal pro Jahr richten sie das „Fest der schönen Stimmen“ aus, zu dem Weltstars der Opernszene eingeladen werden. Ihre Aufgabe sehen die Opernfreunde auch darin, im offensiven Kontakt mit der Politik wie der Stadtgesellschaft die Belange der Kölner Oper zu vertreten.

Derzeit hat der Verein etwa 550 Mitglieder. Die Tendenz ist, wie der Vorstand mitteilt, steigend. Vorsitzender der Opernfreunde ist der Kölner Mittelstands-Unternehmer Heinrich Kemper, sein Stellvertreter der pensionierte Gymnasiallehrer Norbert Pabelick. (MaS)

Presseartikel (.jpg) / Presseartikel (pdf)

Kommentare sind geschlossen